1969 wurde am 30. Mai der neue Verein gegründet. Er nannte sich Natur-,
Vogelschutz- und Verschönerungsverein Berikon und Umgebung. Erster Präsident
war Robert Jenzer,
und er blieb während 16 Jahren in diesem Amt. Mit seinem politischen Engagement - er
war unter anderem Gemeinderat und Grossrat- konnte er dem Verein oft weiterhelfen.
Als Obmänner wurden gewählt: Hans Schertenleib für den Vogelschutz,
Engelbert Koller
für den Naturschutz, und der Präsident Robert Jenzer zusätzlich für
die Verschönerung.
Alle diese Pioniere haben sich jahrelang sehr stark und unermüdlich zum Wohle des
jungen Vereins eingesetzt.
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An der Gründungsversammlung nahmen 38 Personen teil, 28
am Naturschutz interessierte schrieben sich als Mitglieder des neu gegründeten NVV
ein. Als Signet für den Verein wurde ein Waldkauz vorgeschlagen, der heute noch jeden
Briefkopf des Natur- und Vogelschutzvereins ziert.
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Die Aktivmitglieder legten sich mächtig ins Zeug:
Sie produzierten Nistkästen für Höhlenbrüter
(Meisen, Kleiber, Trauerschnäpper, ...). In immer neuen Wäldern
wurden die Kästen aufgehängt. Für den Waldkauz wurden ebenfalls
Kästen gebaut, die Nisthilfen für Rauch- und Mehlschwalben wurden
von auswärts bezogen und an geeigneten Orten angebracht.
Nistkästen putzen - ein "Festmahl" im
rauchigen Keller des Waldhauses Berikon
Immer neue Gemeinden gehörten dem Verein an, zur Umgebung, die als
Anhängsel im Namen erwähnt wird, gehören die Mutschellengemeinden
Widen, Rudolfstetten und Oberwil-Lieli, sowie die Zufikon und Bremgarten.
In diesen Gemeinden hingen bald über 1000 kleine Nistkästen,
vom Reppischtal bis fast zum Tierpark von Waltenschwil. Das Zentrum, und damit
auch Hauptaktivitätsgebiet, blieb aber immer Berikon. Das Holz für
die mehreren tausend Nistkästen wurde bis heute von Oskar Metzler,
Orgelbau Dietikon, gratis zugeschnitten, das Holz stammte lange Zeit aus den
Wäldern Bremgartens, bezahltes Holz, das nie abgeholt wurde und uns dann
vom Förster für den Nistkastenbau überlassen wurde, lange Zeit
waren die Häuschen aus Eiche.
Die Nistkästen müssen jährlich geleert und gereinigt werden,
da die Vögel jedes Jahr ein neues Nest über das alte bauen und das
Ungeziefer sich so ganz munter vermehren kann - also gibt es jedes Jahr eine
Putz- und Flick- und Ersetzaktion. Da waren nach Weihnachten oft alle sechs
Brüder Schertenleib mit einem Teil ihrer Söhne und Töchter
anwesend, was bei einigen Leuten den falschen Eindruck aufkommen liess, das
sei jeweils ein geschlossener Familienanlass.
Die Leute unserer Region interessierten sich für die Natur und so kamen
1974 an eine einzige Exkursion ca. 300 Personen, zum Leidwesen der drei,
oder waren es sogar nur zwei, Exkursionsleiter, die kaum wussten, wie sie
alle Leute erreichen konnten.
Man baute Futterhäuser für die Fütterung in strengen Wintern,
auch Feuerstellen wurden errichtet (Verschönerungsverein), man schweisste
Grillroste und montierte Sitzgelegenheiten an Waldrändern und beim Waldhaus
(beispielsweise neben dem heutigen Geologielehrpfad im Gunzenbühl).
Die Abfallkübel wurden regelmässig von Vereinsmitgliedern geleert.
Einen grossen Anteil an diesen Arbeiten leistete Hans Schertenleib, der in seinem
kleinen Einfamilienhaus auch das Magazin des Vereins einrichtete: Dachboden und
Keller waren bald gefüllt und man fand weiteren Platz bei Hans Koller an der Zopfstrasse.
Der Spycher in 1983
Später, konnte dann ein
Spycher.
als Lagerraum erworben und aufgestellt werden.
Die Gemeinde Berikon finanzierte das Kellergeschoss, es wurde zusammen mit
den Alterswohnungen erstellt und das Land im Baurecht dem Verein abgetreten.
Fritz von Känel hatte Erfahrung im Erstellen von solchen Bauten, er
fertigte die fehlenden Teile neu an, so dass aus dem lückenhaften Altbau
nach langer Bauzeit 1983 endlich wieder ein Ganzes wurde. Im Untergeschoss
befinden sich eine kleine Werkstatt und ein WC, im 1. Stock das Material- und
Werkzeugdepot und unter dem Dach ein Sitzungszimmerchen.
1981 wurden bei einer grossen Pflanzaktion in Zusammenarbeit mit Förster Theo Stutz
und der Gemeinde Widen entlang des Pflanzerbachs 750 Sträucher gesetzt.
Umweltengagement war im Trend, 1983 zählte der Verein 626 Mitglieder - heute sind es
wieder bedeutend weniger.
Die Betreuung des Rummelbachs wurde ebenfalls übernommen, in unregelmässigen
Abständen fanden Säuberungsaktionen statt. Der letzte Bachaufseher, den der Verein
stellte, war Kurt Winzeler. Glücklicherweise übernahmen in der Zwischenzeit die
Ortsbürgergemeinde die Betreuung der Feuerstellen und Sitzgelegenheiten sowie das
Bauamt die Bachaufsicht.
Die Waldwiese wird gemäht
Im Beriker Wald befanden sich in den 70er-Jahren noch 3 gössere Waldwiesen,
ein Überbleibsel aus alten Zeiten, in denen ein Teil des Gebietes als Allmend
genutzt wurde. Diese Wiesen waren, und sind es teilweise
noch heute, Standort mehrerer geschützter Pflanzen (Lungenenzian, Schwalbenwurzenzian,
verschiedene Orchideenarten, Iris, Prachtnelke
und andere).
Dr. Oettli vom Aargauischen Bund für Naturschutz machte schon 1974 eine
Bestandesaufnahme und empfahl, die eine Wiese, die vom Besitzer mit Fichten
bepflanzt wurde, unter Schutz zu stellen. Der Besitzer wollte aber nicht einwilligen -
der Verein liess nicht locker und man kam dann im Rahmen der Revision des Nutzungsplans
Kulturland doch noch zu einem guten Ende: Durch einen Tausch der Wiese gegen Wald der
Ortsbürger konnten endlich die jungen Fichten wieder entfernt werden.
Jedes Jahr muss der grössere Teil der Wiesen (es sind zwei und beide
gehören den Ortsbürgern) geschnitten und das Schnittgut weggeführt
werden, der Kanton bezahlt einen Beitrag, da die zwei Wiese von kantonaler Bedeutung sind.
Aber auch die grosse Zahl der Freibrüter brauchte Hilfe, vor allem jene im Kulturland.
Deshalb gab es immer wieder Heckenpflanz-Aktionen. Hier waren und sind wir aber
auch heute noch auf den Goodwill der Besitzer, das heisst der Landwirte, angewiesen.
Ein weitere Aktion galt auch schon den Hochstamm-Obstbäumen: Der Verein flnanzierte
die Bäume, die nach dem Pflanzen an die Landbesitzer übergingen.
Um den interessierten Artenkenntnisse über Sträucher und Bäume zu vermitteln,
erstellte der Verein im Buholz, Gemeinde Rudolfstetten, einen Waldlehrpfad,
der 2003 eröffnet wurde. Eine vom Verein
finanzierte Broschüre gibt zusätzliche Informationen zu den einzelnen Arten.
Dank der Initiative eines Vereinsmitgliedes konnte 2008 ein Grundkurs in Ornithologie
angeboten werden. Dieser brachte den zahlreichen Teilnehmerinnen und Teilnehmern an
Theorieabenden und auf Exkursionen die häufigsten Arten auf dem Wasser, in Feld und
Wald, sowie im Siedlungsraum näher.
Bereits seit 1999 engagiert sich Rosmarie Groux intensiv als Präsidentin
für den NVV Berikon und Umgebung. Als sehr initiatives Aktivmitglied wirkt
seit Jahren Willi Mosimann beim Nistkastenbau aller Art, bei der Waldwiesenpflege,
bei den Ersatzmassnahmen anlässlich des Sädelneubaus und bei mehreren
weiteren Projekten mit. Es werden glücklicherweise auch immer wieder neue
Vorstandsmitglieder gefunden, die bereit sind, tatkräftig mitzuarbeiten und
dem Verein ein, hoffentlich, langes Leben zu garantieren.
Diese Geschichte kann man hier als Dokument
herunterladen.